Bußgottesdienst in der Fastenzeit

15.03.2024

Einführung

„Sag ja zu mir.“ In dieser Bitte drückt sich eine tiefe Sehnsucht von uns Menschen aus, die Sehnsucht nach Zuwendung und Annahme – ohne „Wenn und Aber“. Gerade dort, wo wir die Brüchigkeit des Lebens wahrnehmen, die Brüchigkeit unserer Beziehungen, wo wir spüren, dass wir gegenüber Gott, gegenüber anderen Menschen oder gegenüber uns selbst schuldig geworden sind, sehnen wir uns nach dieser Zusage, aus der heraus wir einen Neubeginn wagen dürfen.

Als Getaufte dürfen wir uns immer wieder neu bewusst machen, dass die unbedingte Annahme durch Gott als großes Vorzeichen über alles gesetzt ist, was unser Leben ausmacht, auch über unsere Schuldgeschichte.

Weil wir um sein „Ja“ wissen, dürfen wir jetzt auf all das schauen, was uns ausmacht, auch auf alles Zerbrochene und Unfertige. Wir dürfen uns von Gott führen und versöhnen lassen, zurückkehren zu dem, der uns in der Taufe in seine Lebensfülle hineingenommen hat.

Im Hören auf sein Wort und im Betrachten jener Riten, die bei der Taufe unsere Würde und Berufung angezeigt haben, dürfen wir Gottes „Ja“ zu unserem Leben bedenken und feiern.

1. GESALBT

Nach der Lesung kann ein (durchsichtiger) Krug mit Öl an einem geeigneten Ort aufgestellt werden

Deutung

Dieser Krug mit Öl erinnert uns daran: Bei unserer Taufe wurden wir mit Chrisam gesalbt, mit dem Öl, in das Christus selbst seinen Namen eingeschrieben hat. Wir haben Anteil an der Würde erhalten, die Christus selbst zuteil ist. Wir sind ihm gleichgestaltet und in das Volk Gottes aufgenommen worden. Gott denkt so groß von uns wie von seinem Sohn selbst, gibt uns Anteil an seiner priesterlichen, königlichen und prophetischen Berufung.

Besinnung

Als priesterliche Menschen haben wir unmittelbaren Zugang zu Gott. Wir sind berufen, die untrennbare Verbindung Gottes zu allen Menschen abzubilden mit unserem Leben, durchlässig zu sein für seine Liebe in allen Lebensbereichen, die göttlichen Spuren in uns selbst und jedem Menschen immer wieder neu zu suchen. Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen aus allen Mechanismen, die uns den Blick auf Gott und auf die Würde aller Menschen verstellen

Unsere königliche Würde befähigt uns, das Leben mutig zu gestalten, das eigene Leben wirklich selbst „in die Hand“ zu nehmen und gleichzeitig aufzustehen gegen alle Mechanismen der Unfreiheit und Entmündigung von Menschen, konkrete Verantwortung zu übernehmen zum Wohl anderer und einzutreten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen als allen Mechanismen der Gleichgültigkeit gegenüber anderen und gegenüber den Vorgängen in unserer Welt.

Durch unsere prophetische Berufung dürfen wir mit unserem Leben für Gott einstehen, Zeugnis geben für das, was uns innerlich erfüllt, Zeugnis dafür geben, dass das Leben im Blick auf Gott Zukunft hat.

In unserer Einzigartigkeit dürfen wir wie die Saite eines Instruments einen einzigartigen Wohlklang verbreiten in unserer Welt, der von Gottes Liebe erzählt und andere zur Liebe ruft. Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen aus einer pessimistischen Weltsicht und dem Kreisen um uns selbst.

2. BEKLEIDET

Es kann ein weißes (Tauf-)Kleid an einem geeigneten Ort aufgelegt (bzw. aufgehängt) werden.

Deutung

Dieses weiße Kleid erinnert uns daran: Wir kommen nackt zur Welt. Darin offenbart sich die Bedürftigkeit, Unbeschütztheit und Verletzlichkeit unseres Lebens. Unsere Kleidung ist so gesehen nichts Beliebiges sondern immer ein Stück weit Ausdruck unserer Suche nach Geborgenheit, Sicherheit und Identität. In der Taufe wurden wir alle buchstäblich neu und „standesgemäß“ eingekleidet. Wir wurden in Gottes Liebe eingehüllt, indem wir Christus selbst als unser Gewand angezogen haben

Besinnung

Im Taufkleid liegt die Botschaft: Christus ist „hautnah“ bei uns, wir sind ganz hineingenommen in die Lebensgemeinschaft mit ihm. Er umhüllt uns wie ein wärmender Mantel, schmückt uns, wie ein Festtagskleid.

Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen aus Mechanismen, die uns hindern ihm ganz zu vertrauen.

Im Taufkleid ist angezeigt, dass wir in Christus eine neue Identität gefunden haben. Wir sind neu geschaffen für das ewige Leben, bekleidet mit Unsterblichkeit.

Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen aus allen Mechanismen, die uns zum Maß aller Dinge machen.

Bekleidet mit Christus haben wir nicht nur Halt in ihm, sondern sind gleichzeitig berufen, in seiner Haltung auf die Menschen zuzugehen und so wie er berührbar zu bleiben für die Not um uns. Die Schrift sagt: Es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.

Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen aus allen Mechanismen, die uns blind sein lassen für die Bedürftigkeit in unserer Umgebung.

3. ERLEUCHTET

Es kann eine brennende (Tauf-)Kerze an einem geeigneten Ort aufgestellt werden.

Deutung

Diese Kerze erinnert uns daran: Licht ist die Grundlage allen Lebens und zugleich Programm Gottes für die ganze Schöpfung. In Jesus Christus erkennen wir das „Licht vom Licht“, durch das Welt und Menschen erleuchtet sind und zu einer neuen Schöpfung werden.

Die an der Osterkerze entzündete Kerze erzählt davon, dass wir in der Taufe von Gott buchstäblich „ins rechte Licht“ gerückt worden sind: Du bist Licht geworden in Christus. Lebe als Kind des Lichtes.

Besinnung

Inmitten aller Lichter dieser Welt, die uns oft blenden und den Blick von uns selbst weglenken, erzählt das Licht der Taufkerze vom unzerstörbaren göttlichen Leben, das wir in uns tragen. Als erlöste Menschen sind wir berufen in der Welt ein „Lichtblick“ zu sein und dieses Licht auf den Leuchter zu stellen, damit es kraftvoll ausstrahlen kann, hinein in die Dunkelheiten unserer Zeit.

Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen aus allen Mechanismen, die die Glaubwürdigkeit unseres Lebenszeugnisses verdunkeln.

Auf unserem eigenen Lebensweg dürfen wir das österliche Licht als Wegweiser vorantragen und darauf vertrauen, dass unser Leben einem guten Ziel entgegengeführt wird.

Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen aus allen Mechanismen, die uns im Irdischen und Materiellen eine letzte Erfüllung verheißen.

So wie die Flamme das Wachs der Kerze verzehrt und dabei Wärme und Licht ausstrahlt, so sind wir selber berufen, unser Leben einzusetzen für das Gute. Im Wissen um diese Berufung dürfen wir ausbrechen aus allen Mechanismen, durch die wir nur mehr uns selber sehen können.